Wichtige Verhaltensregeln nach einem Unfall

Grundsätzliches Verhalten nach Autounfällen

Ungefähr ein Viertel aller Unfallbeteiligten entfernt sich strafbar vom Unfallort: Geld- bzw. Freiheitsstrafe folgen womöglich. Eventuell verlieren diese Personen auch ihren Führerschein bzw. Versicherungsschutz. Beachten Beteiligte hingegen einige Regeln, vermeiden sie üble Konsequenzen für sich und andere.

Generelle Situation

Stets mehr zugelassene Fahrzeuge führen zu mehr Verkehrsunfällen. Zumindest vermeiden fortschreitende Kfz-Technologien zunehmend schwere Folgen von Unfällen. Allerdings besitzt bereits die hohe Zahl solcher Vorfälle ihre eigene Bedeutung. So meldet die Polizei beispielsweise allein im Großraum München jährlich etwa 50.000 Verkehrsunfälle. Die Dunkelziffer liegt dabei drastisch höher. In dieser Region Bayerns klären Ermittler Unfallfluchten im Kontext von Schwerverletzten zu mehr als 80 Prozent auf. Dort identifizieren Experten sogar jeden Flüchtigen bei Unfällen mit Todesfolge. Diese Quoten gelten zudem bereits seit Jahren.

Grundsätzliches Verhalten nach Unfällen

Nicht alle Betroffenen eines Unfalls halten sich bei seinem Eintritt vor Ort auf. Beispielsweise fehlt oft der Lenker geparkter Fahrzeuge bei deren Beschädigung. Schädiger unterliegen ihrer Pflicht zum Verbleiben am Unfallort, um auf Geschädigte zu warten. Die Wartezeit richtet sich dabei nach Zeit und Ort sowie geschätzter Schadenshöhe. Ein hinterlassener Zettel zur Identität des Schädigers schützt diesen also nicht bei dessen sofortiger Weiterfahrt. Melden sich Geschädigte nicht innerhalb entsprechender Wartefristen, stehen ihnen sofortige Nachrichten vom Schädiger zu. Alternativ berichten Schädiger den Unfall umgehend der örtlichen Polizei. Dazu gehören neben dem Kennzeichen des geschädigten Fahrzeugs auch dessen Marke und Typ sowie Farbe. Zeit und Ort der Beschädigung komplettieren diese minimale Meldung.

Rechtslage

Einwandfreies Verhalten nach Unfällen regeln Strafgesetzbuch (StGB) und Straßenverkehrsordnung (StVO) gemeinsam. Verstöße gegen die StVO allein lassen sich mit Verwarnungs– oder Bußgeld ahnden. Diese Regeln greifen zum Beispiel beim Verlassen von Unfallorten ohne Hinterlassen von Informationen. Bagatellschäden an geparkten Autos lassen sich gewöhnlich ohne Folgeprobleme innerhalb von 24 Stunden melden – das Strafgesetz wird dann meist nicht angewendet. Ohne Meldung hingegen muss die Polizei auch diese recht harmlose Unfallflucht wie jede Straftat anzeigen.

Vorbereitung auf Unfälle

Das geistige Durchspielen von Unfallszenarien festigt hilfreiche und schnelle Reaktionen im Ernstfall. Dazu gehört für jeden Beteiligten gewöhnlich das unbedingte Verbleiben am Unfallort. Zumindest lassen sich so alle Personalien festhalten. Seltene Ausnahmen erlauben beispielsweise sofortige Transporte schwer Verletzter. Beteiligte verschaffen sich sofort ihren Überblick, um ihre erste Handlung zu bestimmen. Erlaubt der Zustand anderer Beteiligter deren verzögerte Behandlung, sichern handlungsfähige Beteiligte sofort die Unfallstelle. Speziell nachts auf vielbefahrenen Straßen erzwingt sich die direkte Absicherung. Allgemein benötigen schlecht sichtbare Unfallstellen ihre schnellstmögliche Sicherung. Generell teilen sich unmittelbar Beteiligte anfallende Arbeiten, wobei eventuell auch weitere Personen helfen.

Typische erste Schritte

Beteiligte Lenker bringen ihre Fahrzeuge zum Halten und schalten die Fahrzeugbeleuchtung ein. Bei Bagatellschäden räumen Fahrzeuge die Unfallstelle sofort. Andernfalls schalten beteiligte Lenker ihre Warnblinkanlage ein. Nach sicherndem Rundumblick steigen alle Insassen aus. Speziell halten Beteiligte dabei den Verkehr im Blick. In Deutschland führen Lenker von Pkws und Lkws sowie Zug- und Sattelzugmaschinen als auch Kraftomnibussen per Gesetz eine Warnweste mit. Lenker legen diese Weste nach Möglichkeit vor dem Aussteigen an. Ohne höhere Priorität begeben sich Beteiligte sofort an sicherste Orte, ohne das Umfeld zu verlassen. An Autobahnen zählt das Areal hinter Schutzplanken zu diesen Stellen. Auf Landstraßen stellen Lenker ihre Warndreiecke und womöglich Warnleuchten mindestens 100 Meter hinter dem hintersten Hindernis auf, etwa Fahrzeuge oder Personen. Auf Autobahnen gelten 200 Meter.

Erste Hilfe

Jeden Verkehrsteilnehmer verpflichtet das Strafrecht zur Ersten Hilfe nach bemerkten Unfällen. Speziell jeder Unfallbeteiligte leistet jede benötigte und zumutbare Hilfe. Im vorgeschriebenen Verbandskasten von Fahrzeugen finden sich dazu die besonders wichtigen Materialien. Potenziell gefährliche Verletzungen empfehlen sofortige Alarmierung von Notärzten nach der Ersten Hilfe. Diese Hilfe rettet auch abseits des Straßenverkehrs Leben. Deswegen erwerben umsichtige Menschen entsprechende Kenntnisse und frischen sie bisweilen auf. Notrufe, dem allgemeinen Notruf unter der Telefonnummer 110 melden Beteiligte ihren Namen sowie Standort wie Unfallort. Es folgen die Zahl Verletzter samt Beschreibung von Unfallfolgen und Verletzungen. Danach warten Anrufer auf Rückfragen bzw. Anweisungen der jeweiligen Leitstelle. Ohne mobile Kommunikationstechnik bleibt der Weg zur nächsten Notrufsäule. Auf Autobahnen wie Bundesstraßen zeigen Pfeile an Leitpfosten die Richtung. Personalien: unfallbeteiligte tauschen zumindest Namen und Anschrift sowie Versicherungsnamen und Versicherungsnummern aus. Dazu legen Beteiligte auf Verlangen ihren Führerschein sowie Fahrzeugschein vor. Gleiches gilt zu polizeilichen Kennzeichen aller beteiligten Fahrzeuge. Bei unvollständigen Versicherungsdaten hilft der Zentralruf der Autoversicherer (0180/25026) permanent gegen eine Gebühreneinheit. So erreichen Schadensmeldungen die Haftpflichtversicherungen von Unfallgegnern. Diese Versicherer kontaktieren dann oft ihre gegnerischen Beteiligten und beauftragen Kfz-Sachverständige. Alle Beteiligten müssen per Strafrecht am Unfallort bleiben bis zum Austausch aller vorgeschriebenen Daten. Dazu zählen auch die Rolle aller Beteiligten. Besteht ein Beteiligter auf der polizeilichen Unfallaufnahme, müssen alle Beteiligten am Unfallort bleiben – bis zur polizeilichen Genehmigung des Entfernens.

Pflichten zum Warten und Melden

Ohne Unfallzeugen warten Beteiligte abhängig von Tageszeit und Ort sowie Schwere des Vorgangs mindestens 30 Minuten. Ohne Begegnungen dürfen sie dann bei Hinterlassung von Name sowie Anschrift die Unfallstelle verlassen. Treffen Beteiligte den Geschädigten nicht, begeben sie sich ohne Umweg und Verzögern zur nächsten Polizeidienststelle. Da melden sie den Unfall und alle Umstände. Dazu zählen Anschriften und Kennzeichen samt Standort eigener Fahrzeuge.

Unfälle mit Toten bzw. Verletzten oder erheblichem Sachschaden empfehlen den dringenden allgemeinen Notruf 110 bei der Polizei. Auch Alkohol bzw. Drogeneinfluss als Begleitumstand raten zum entsprechenden Anruf. Dieser erscheint auch zweckmäßig bei ungeklärter Schuldfrage. Weiterhin hilft die Polizei bei Beteiligung von Personen mit ausländischem Wohnsitz. Dies gilt ebenso bei Fahrzeugen mit ausländischer Zulassung. Deswegen notieren Beteiligte sowohl Namen wie Dienststellen eingreifender Beamter. So lassen sich später Informationen ermitteln. Stammen Unfallverursacher aus EU-Staaten oder Norwegen, Island, der Schweiz oder Liechtenstein, wickeln Beauftragte des entsprechenden ausländischen Versicherers Schäden ab. Diese Experten haben ihren Sitz in Deutschland und kommunizieren auf Deutsch mit Beteiligten.

Sicherung von Beweisen

Ohne Eingreifen der Polizei sichern Beteiligte wesentliche Spuren selbst. Dazu zählen Namen und Adressen sowie Telefonnummern von Zeugen. Zu den Unfalldaten zählen Positionen von Fahrzeugecken sowie Radpositionen. Übersichtsfotos zur Unfallstelle aus diversen Richtungen bei erhöhter Aufnahmeposition helfen besonders. Abknickende Bremsspuren und Glassplitter sowie abgebrochene Fahrzeugteile dokumentieren Unfallhistorien sehr gut. Auffälligkeiten lassen sich dabei mit Kreide markieren. Aufnahmen von Kfz-Schäden aus etlichen Positionen komplettieren Dokumentationen weiter. Dazu dienen auch bei ausreichender Beleuchtung Aufnahmen ohne und mit Blitzlicht. So stellen sich mehr Details dar.

Niemals vermeintliches Selbstverschulden vor Ort anerkennen

Pauschales Anerkennen eigener Schuld in mündlicher oder gar schriftlicher Form verbietet sich: Versicherten fehlt dazu das Recht ohne Einverständnis ihres Versicherers. Davon unabhängig spricht nichts gegen das Unterzeichnen von Unfallberichten. Diese Listen von Daten zu Fahrzeugen und Personen sagen nichts zur rechtlichen Schuld am Unfall aus. Gleiches gilt für Schadensberichte und Unfallskizzen.

Abschluss vor Ort

Beteiligte überzeugen sich von ihrem Recht auf das Verlassen der Unfallstelle. Nach Möglichkeit lassen Lenker ihre per Schock oder Verletzung eventuell eingeschränkte Fahrtüchtigkeit von Experten beurteilen. Dann klären Beteiligte die Verkehrssicherheit ihrer Fahrzeuge und säubern den Unfallort. Abschließend sind Warndreiecke und womöglich auch Warnleuchten einzusammeln. Im letzten Schritt fädeln sich Lenker mit besonderer Vorsicht in den Verkehr ein.

Abschluss der Unfallbehandlung mit Versicherern

Beteiligte Versicherte melden Unfälle ihrer Versicherung innerhalb von sieben Tagen. Ein Todesfall verkürzt diese Frist auf 48 Stunden. Kfz-Gutachter erstellen ihre Bewertungen zu Unfällen sehr individuell. Gewöhnlich kontaktieren Gutachter die Lenker von Unfallfahrzeugen dazu persönlich. Bei Begutachtungen dokumentieren jene Experten die Kfz-Ausstattung wie auch alle Schäden am Fahrzeug. Dabei fertigen Gutachter alle benötigten Fotos an. Zugleich kalkulieren diese Sachverständigen die Schäden und schätzen Restwerte von Unfallautos ein.